Generative
Vermehrung
Ein Samen ist ein pflanzlicher Embryo, er enthält
alle Bestandteile und Energie zur Entwicklung einer neuen Pflanze. Bevor
der Samen wächst, muss er genügend Wasser aufnehmen, bis er quillt und
aufplatzt. Es gibt verschiedene Ursachen für das Absterben von Samen
oder Keimlingen. Die häufigste Ursache ist die zu tiefe Aussaat. Der
Samen hat nur genügend Energie sich innerhalb einer begrenzten Periode
an die Oberfläche zu arbeiten. Ein zu tief gesäter Samen verbraucht
diese Energie, bevor dieser die Oberfläche erreicht hat. Im Zweifelsfall
sollte deshalb immer etwas flacher gesät werden. Allgemein gilt, die
Deckschicht sollte nicht dicker sein als die Dicke der Samen. Eine
andere Ursache ist die Bewässerung. Der Samen benötigt Feuchtigkeit und
eine große Menge Sauerstoff. Ist der Boden zu nass, bekommen die Samen
zu wenig Luft und faulen, wobei mit zu wenig Wasser der zarte Sämling
austrocknet und stirbt. Hierbei hilft oft ein Zimmergewächshaus oder ein
durchsichtiger Plastikbeutel der über die Pflanzgefäße gezogen wird.
Dieses "Minigewächshaus" verhindert das Austrocknen des Substrats und
sorgt für die nötige Luftfeuchtigkeit. Die Bewässerung der Behälter mit
sehr kleinen Samen sollte immer von unten erfolgen, bis sich das Wasser
an die Oberfläche gezogen hat (glänzende Oberfläche). Die meisten Samen
keimen natürlich nur zwischen bestimmten Temperaturen. Ist die
Temperatur zu niedrig, nimmt der Samen Wasser auf, kann aber nicht
keimen und fault schließlich. Zu hohe Temperatur verhindert das Wachstum
im Inneren des Samens. Glücklicherweise haben viele Samen einen großen
Temperaturbereich, aber es ist klug zu versuchen die Temperatur
beizubehalten und Temperaturschwankungen so gering wie möglich zu
halten. Die mittlere Keimtemperatur für Pflanzen des gemäßigten Klimas
beträgt 8-18°C, für Pflanzen aus tropischen oder subtropischen Regionen
16-28°C. Die Samen der meisten Pflanzenarten keimen bei Licht und bei
Dunkelheit gleich gut. Es gibt jedoch ausgesprochene Lichtkeimer,
bei denen das Licht eine notwendige oder zumindest eindeutig fördernde
Keimvoraussetzung ist. Hierzu zählen viele Pflanzenarten mit feinen
Samen. Das Saatgut wird hier nur aufgestreut, leicht angedrückt,
eventuell wenig mit Quarzsand übersiebt und nach dem Angießen bis zur
Keimung mit einer Glasscheibe oder Folie abgedeckt. Bei den
Dunkelkeimern handelt es sich meist um Pflanzenarten mit größerem
Samen. Da Licht die Keimung hemmt, wird der Samen mit Erde bedeckt.
Einige mehrjährige Stauden-, Baum-, oder
Strauchsamen können sehr langsam und unregelmäßig keimen, selbst wenn
der Samen gesund ist und beste Voraussetzungen zur Keimung gegeben sind.
Dies liegt manchmal am natürlichen Ruhezustand des Samens. In Regionen
in denen kalte und warme oder trockene feuchte Jahreszeiten herrschen,
verhindert die Keimruhe die Keimung zur falschen Zeit, die Keimlinge
würden durch Kälte oder Hitze absterben. Verursacht wird die Keimruhe
meist durch eine undurchlässige, harte Samenschale, unreife Embryonen
oder Hemmstoffe im Samen. Die Ruhe kann man umgehen, indem man die Samen
kältebehandelt (Stratifikation), vor der Aussaat in Wasser einweicht,
die harte Samenschale anritzt oder abschmirgelt (Skarifikation).
Einweichen
Das Saatgut wird mit heißem (nicht kochend) Wasser
übergossen und je nach Spezies, wenige Stunden, übernacht oder bis zum
quellen eingeweicht. Nach dem Wasserbad müssen die Samen sofort ausgesät
werden.
Stratifikation
Dank der Erfindung des Kühlschranks kann die
Stratifikation das ganze Jahr hindurch vollzogen werden. Die Samen
werden in feuchtem Substrat eingeschichtet, wir packen das Gemisch in
ein Gefäß, Plastikbeutel, Druckverschlussbeutel etc. und lagern das
Gemisch im Kühlschrank bei 1-5°C. Als Substrat eignet sich besonders
Sand oder Vermiculit. Die Dauer der Kältebehandlung ist Abhängig von der
Pflanzenspezies und kann 2-4, 4-8 oder 8-20 Wochen dauern. Sobald 25-30%
der Samen Keimwurzeln bilden können alle Samen ausgesät werden. In den
kalten Monaten kann die Behandlung natürlich auch draußen an einen
schattigen, geschützten Ort erfolgen.
Skarifikation
Wasserundurchlässige und wasserabweisende, harte
Samenschalen werden durch vorsichtiges anritzen, anfeilen oder abraspeln
mit einem Messer oder durch abschmirgeln mit Sandpapier durchlässig
gemacht. Es darf nur ein kleiner Bereich bearbeitet werden und der Samen
darf keinesfalls verletzt werden. Anschließend wird das Saatgut in
handwarmen Wasser für mehrere Stunden eingeweicht, danach sofort
ausgesät. Gequollene Samen sofort aus dem Wasserbad nehmen und in die
Erde bringen.
Es gibt noch die Möglichkeit der Säurebehandlung
bei hartschaligen Samen, dies wird bei der kommerziellen Aussaat
angewendet und ist für den Hobbygärtner eher uninteressant und
gefährlich.
Vegetative
Vermehrung
Pflanzen besitzen die Fähigkeit, sich aus
einzelnen Zellen oder Pflanzenteilen wie Blättern, Sprossen oder
Wurzelteilen neu zu entwickeln. Diese besondere Fähigkeit nutzt der
Gärtner bei der vegetativen Vermehrung, insbesondere bei Pflanzen die
nur bedingt oder gar keine Samen produzieren. Ein weiterer Vorteil der
ungeschlechtlichen Vermehrung ist, dass die Nachkommen in allen
Merkmalen der Mutterpflanze gleichen. Da die Pflanzenteile zur
Vermehrung bereits eine gewisse Größe haben, erhält man meist schneller
eine gewünschte Wuchshöhe.
Die gebräuchlichsten Verfahren der vegetativen
Vermehrung ist das Teilen, der Gebrauch von Stecklingen oder Ableger.
Stecklinge
Voraussetzung für die Stecklingsvermehrung ist
eine gesunde, schädlingsfreie und eine möglichst nicht zu alte
Mutterpflanze in einem guten Ernährungszustand. Einige Stunden vor der
Stecklingsentnahme soll die Mutterpflanze gut gewässert werden.
Stecklinge werden von beblätterten Sprossteilen der Pflanze geschnitten.
Vorhandene Blütenknospen müssen entfernt werden. Der Schnitt erfolgt mit
einem scharfen Messer, Rasierklinge, Skalpell o. ä. gerade oder etwas
schräg ca. 1 bis 5 Millimeter unterhalb eines Blattknoten (Nodium). Hier
besteht die größte Bereitwilligkeit Wurzeln zu bilden. Das
Schneidwerkzeug sollte sehr sauber sein und mit Alkohol oder mittels
Hitze sterilisiert werden. Am Steckling werden 2 bis 3 Blätter bzw.
Blattpaare belassen, größere Blätter können bis auf ein Drittel ihrer
Länge gekürzt werden um Verdunstung zu verringern. Als Substrate eignen
sich Sand in der Korngröße von 0,5 bis 1,5mm, Torf oder ein
Torf-Sandgemisch im Verhältnis von 1:1, Kokosfasern, Vermiculit und
Steinwolle, besonders günstig sind im Handel erhältliche Torfquelltöpfe.
Die Stecklinge sollten nur so tief in das Substrat gesteckt werden, dass
ihre Standfestigkeit gegeben ist. Sind sie tiefer gesteckt, ist die
Sauerstoffversorgung der entstehenden Wurzel nicht ausreichend
gewährleistet. Stets darauf achten das das Substrat gut durchfeuchtet
ist. Die Aufnahme von Wasser ist bei Stecklingen stark eingeschränkt,
der Verbrauch durch die Verdunstung über die Blätter ist aber weiterhin
vorhanden. Die Luftfeuchtigkeit sollte deshalb so hoch wie möglich
gehalten werden. Dies ist bei einzelnen Stecklingen durch eine
Überdeckung mit einer durchsichtigen Plastikfolie, einem darüber
gestülpten Einweckglas oder den unteren Teil einer abgeschnittenen
Plastikflasche erreichbar. Bei Bedarf sollte mit Wasser gesprüht werden.
Optimal ist ein Minigewächshaus mit elektrischer Heizmatte, diese
gewährleistet eine konstante Temperatur. Die durchschnittliche
Bodentemperatur zum bewurzeln beträgt 20-26°C. Beste Anwachsergebnisse
erhält der Hobbygärtner mit hellem, diffusem Licht, direkte
Sonnenbestrahlung soll vermieden werden. Die Dauer bis zur Bewurzelung
ist artenspezifisch sehr unterschiedlich und abhängig von den gegebenen
Umweltbedingungen. Ein Bewurzelungshormon kann das Anwachsen
beschleunigen.
Kopfstecklinge
Für Kopfstecklinge werden Triebspitzen mit 2 oder
3 Blättern oder Blattpaaren und der Endknospe (Vegetationspunkt)
verwendet. Bei angehender Bewurzelung beginnt die Endknospe
auszutreiben.
Teil-,
Triebstecklinge
Als Teilstecklinge bezeichnet der Gärtner
Sprossstücke die unterhalb des Kopfstecklings entnommen werden. Aus den
schlafenden Knospen in den Blattachseln entwickeln sich neue Triebe.
Wurzelstecklinge
Hierbei werden kräftige Wurzelstücke von 6-8cm
Länge geschnitten. Der nach unten weisende Teil der Wurzel muss auch
wieder nach unten eingesetzt werden. Die Wurzel sollte vollständig mit
Substrat bedeckt werden. Das Substrat immer feucht halten. Es empfiehlt
sich, das Aussaatgefäß mit einem Glas oder durchsichtiger Plastikfolie
abzudecken. Als Substrat eignet sich ein Torf-Sandgemisch oder
handelsübliche Aussaaterde. Nach einigen Wochen erscheinen an der
Oberfläche die neuen Pflanzen.
Teilung
Ältere Pflanzen lassen sich einfach teilen. Dazu
wird die Pflanze in mehrere Teile gebrochen und anschließend separat
eingepflanzt. Es müssen genügend Wurzeln an den neuen Pflanzen vorhanden
sein.